Kindheit im Dritten Reich und Jugend im Arbeiter- und Bauernstaat DDR

Das hier vorgesellte Buch über Richards Kindheit und Jugend spielt in Grünheide, für den Autor auch jetzt noch mit 73 Jahren seine mit einer Fülle ambivalenter Gefühle als 'Heimat' empfundene Landschaft und Lebenswurzel. Obwohl sich sein Lebenswurf längst zu dem des Weltbürgers gewandelt hat - er lebt mit seiner Frau in Griechenland, seine Kinder leben in Israel und Australien, eine Tochter hat 10 Jahre in Kazan und Moskau zugebracht, enge Verwandte wohnen in British Columbia/Kanada - immer schweifen seine Gedanken und Träume zurück zur "Grünen Heide".

 

Der im Buch auf Seite 101 erwähnte Eichbaum und das dazugehörige traumhafte Bild des Peetzsees von der Terasse seines Elternhauses im Waldeck Nr. 8 sind die festen Symbole dieser Rückschau.

 

 

  

 Auch die im weiteren Umkreis um Richards Elternhaus sich erstreckende Landschaft hat Grünheide-Liebhaber vieler Generationen verzaubert. Einer der Prominentesten von ihnen war Theodor Fontane, der Richards Oberschule in Erkner seinen berühmten Namen geliehen hatte. Er schilderte in seinen „Wanderungen durch die Mark“ seine Impressionen über diese Gegend:

 
Die Löcknitz ist eines jener vielen Wässerchen in unserer Mark, die plötzlich aus einem Luch oder See tretend, auf eine kurze Strecke hin einen Parkstreifen durch unser Sand- und Heideland ziehn. Keines unter all diesen Wässerchen aber ist vielleicht reizvoller und unbekannter zugleich als die Löcknitz, die, aus dem roten Luche kommend, in einem der Seen zwischen »Erkner« und den Rüdersdorfer Kalkbergen verschwindet. Immer dieselben Requisiten, gewiß; und doch, wer an dieser Stelle spätnachmittags an der Grenzlinie zwischen Wald und Wiese hinfährt, dem eröffnet sich eine Reihe der anmutigsten Landschaftsbilder. Hier dringt der Wald von beiden Seiten vor und schafft eine Schmälung, dort tritt er zurück und der schmale Wiesenstreifen wird entweder ein Feld oder das Flüßchen selber ein Teich, auf dem im Schimmer der untergehenden Sonne die stillen Nymphäen schwimmen. Dann und wann ein rauschendes Wehr, eine Sägemühle, dazwischen Brücken, die den bequemen Wald- und Wiesenweg vom rechten aufs linke und dann wieder vom linken aufs rechte Ufer führen. Selbst die Namen werden poetisch: Alt-Buchhorst und Liebenberg, Klein-Wall und Gottesbrück und der Werl- und Möllensee dazwischen. Unmittelbar dahinter aber beginnt wieder die Prosa und schon die nächste große Wasserfläche heißt der »Dämeritz«.“

 
Die Geschichte Grünheides reicht zurück bis in die Anfänge der Hohenzollernherrschaft über die Mark Brandenburg. Bis Ende des 19. Jahrhunderts ist sie zwischen den historisch Interessierten in ihrem Ablauf unbestritten. Ab dem 20. Jahrhundert spaltet sich die Sicht je nach weltanschaulicher Lagerzugehörigkeit auf. Während der Einfluss der braunen Vergangenheit nur Episode blieb und mit dem Ende des Weltkriegs II verschwand,  ist der des ebenfalls Menschen verachtenden und quälenden roten Regimes danach in bedauerlicher Weise noch immer spürbar und schreckt auch heute noch vor anmaßender Geschichtsverfälschung nicht zurück. Was aber in dem nun nach 1990 endlich nach 57 Jahren Diktatur auch für Richards Heimat wieder erreichten freiheitlichen Rechtsstaat notwendig bleibt, ist die geistige Auseinandersetzung mit den immer noch vertretenen politischen Irrlehren und ihren unbelehrbaren Anhängern.

Der mit der DDR nach dem wirtschaftlichen, politischen und geistig-ethischen Bankrott des SED-Regimes vor der Wiedervereinigung ausgehandelte sogenannte Einigungsvertrag hat im Interesse der Versöhnung und des Ausgleichs manches Ergebnis von Korruption, Korumption und Machtmissbrauch in Kauf genommen, was auch auf das Verständnis solcher Menschen wie Richard stößt.  Dennoch macht es sie immer wieder betroffen, dass sie, die ihres Widerstandes gegen Unrecht und geistige Versklavung wegen damals fliehen mussten, die nun noch um dieser Versöhnlichkeit willen ihr Elternhaus verloren haben, miterleben müssen, wie nach wie vor die Erinnerungen gefälscht werden und damit das Andenken der damals Aufrechten mit Füßen getreten wird. Es ist zu hoffen, dass diesen ewig Gestrigen, wie zum Beispiel der Dame, der als KPD-Mitglied im niedersächsischen Landtag die Renaissance der STASI für ein künftiges deutsches Gemeinwesen am Herzen liegt, endlich das Handwerk gelegt wird.

 

Es ist gut, dass mittlerweile der Einfluss dieser "ewig Gestrigen" zurückgedrängt wird. Der in Grünheide sehr aktive Heimatverein - beheimatet in der früheren Volksschule, die jetzt den Namen des SED-Regime-Kritikers Robert Havemann trägt, hat sich kürzlich (2012) um die Umwidmung des Gemeinde-Denkmals am Fuße des Kellerbergs auf den Hohenzollern-Kürfürsten Joachim II., dem Grünheide seinen historisch  dokumentierten Nachweis verdankt, verdient gemacht. Der nächste Schritt könnte in der Wiederherstellung der traditionellen Straßennamen bestehen. 42 Jahre Dikatatur sind eben scwerer zu korrigieren als 12 Jahre. Aber das betrifft ja nicht nur Grünheide, sondern unser ganzes Land.

 

 

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