Kindheit im Dritten Reich und Jugend im Arbeiter- und Bauernstaat DDR

Vorwort zum Buch: "Was für Zeiten!"

Dies sind Geschichten über einen Werdenden. Natürlich ist jeder Mensch während seines ganzen Lebens ein Werdender; niemals ist er ‚fertig’, immer ist er ‚auf dem Weg’, bis zu seinem irdischen Ende. Wenn er diese Grundwahrheit verneint oder sie nicht wahrnimmt, ist er geistig schon zu Lebzeiten tot.

Hier geht es um das Werden von Richard; die Zeit, in der diese Geschichten spielen, umfasst seine Kindheit und seine Jugend. Dies ist natürlich nichts Besonderes, warum sollte der geneigte Leser eigentlich weiterlesen? Der Grund dafür ist, dass die Geschichten aus Richards Leben in einer Zeit spielen, die man getrost als Zeitenwende nicht nur für Deutschland, sicher für Europa und vielleicht sogar für die ganze Welt ansehen kann.

Richards Kindheit - von 1935 bis 1945 - und seine Jugend - von 1945 bis 1953 - dauerte zehn Jahre im Tausendjährigen Reich und acht Jahre im Arbeiter- und Bauernparadies. Diese Geschichten berichten über ein ganz einziges Heranwachsen, so einzig, wie es jedem Menschen dieser Erde eigen ist. Gleichzeitig aber wird dieses Aufwachsen von den politisch-sozialen Besonderheiten, die diese Zeit begleiten, die manchmal zurücktreten, ein anderes Mal sie stark beeinflussen, bewegt und zum Teil auch geprägt.

Solche von dieser Zeitenwende bewegten oder geprägten Leben gehen in unserer Gegenwart langsam zu Ende. Sie und ihre Bewegtheit in diesen außerordentlichen Zeiten nicht dem Vergessen anheim fallen zu lassen und uns und den nach uns Kommenden lebendig zu erhalten, ist das Ziel dieser kleinen Geschichtensammlung.

Aus Richards Leben werden in chronologischer Abfolge seiner Biographie Begebenheiten in Form von Geschichten erzählt, die davon Zeugnis ablegen, wie das Heranwachsen in der Zeitabfolge immer mehr aus dem familiären Umfeld heraustritt und verwoben wird mit dem Schicksal der deutschen Nation. Wirkliche Dramatik, wie sie auf den ostpreußischen Flüchtlingstrecks, den Vertreibungen nach Kriegsende, dem Untergang des KdF-Schiffs „Gustloff“, den großstädtischen Luftangriffen erlebt wurden, bleibt aus. Und doch kann man sich trotz der über Strecken dargestellten Normalität im Chaos des Ausrufs, der den Titel zu diesem Buch abgab, nicht enthalten: „Was für Zeiten!“

 

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